Was ist OSAS?
Das Obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) ist eine ernstzunehmende Schlafstörung, bei der es während des Schlafs zu wiederholten Atemaussetzern kommt. Diese entstehen, wenn die Muskulatur im Rachenraum erschlafft und die oberen Atemwege blockiert. Das Gehirn reagiert auf den Sauerstoffmangel mit einer Weckreaktion – oft ohne dass der Betroffene es bewusst wahrnimmt.
In Deutschland sind schätzungsweise 2-4% der Bevölkerung von einer behandlungsbedürftigen Schlafapnoe betroffen – Männer häufiger als Frauen. Viele wissen nichts von ihrer Erkrankung. Unbehandelt erhöht OSAS das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Unfälle durch Sekundenschlaf erheblich. Die gute Nachricht: Es gibt effektive Behandlungsmöglichkeiten.
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Warnzeichen und Symptome
OSAS entwickelt sich oft schleichend über Jahre. Viele Betroffene haben sich an die Müdigkeit gewöhnt und halten sie für normal. Erkennen Sie sich in einem oder mehreren dieser Symptome wieder?
- Nächtliche Symptome: Lautes, unregelmäßiges Schnarchen, beobachtete Atemaussetzer (vom Partner bemerkt), Aufwachen mit Luftnot oder Herzrasen, nächtliches Schwitzen, häufiger Harndrang
- Tagessymptome: Extreme Müdigkeit trotz ausreichend Schlaf, morgendliche Kopfschmerzen, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Sekundenschlaf (Gefahr im Straßenverkehr!), verminderte Leistungsfähigkeit
- Psychische Auswirkungen: Reizbarkeit, depressive Verstimmungen, Antriebslosigkeit, verminderte Lebensqualität für Betroffene und Bettpartner
Selbsttest: Die Epworth-Schläfrigkeitsskala hilft, die Tagesmüdigkeit einzuschätzen. Ab einem Wert von 10 Punkten ist eine ärztliche Abklärung empfehlenswert.
Diagnostik & Zusammenarbeit
Die Diagnose einer Schlafapnoe erfolgt in enger Zusammenarbeit mit Schlafmedizinern. Nach der schlafmedizinischen Untersuchung (Polysomnographie im Schlaflabor) kommen Patienten zu uns, um die Eignung für eine Schienentherapie zu prüfen.
- Ausführliche Anamnese: Schlafgewohnheiten, Tagesmüdigkeit, Schnarchen
- Klinische Untersuchung von Kiefergelenk, Zähnen und Atemwegen
- Beurteilung der anatomischen Verhältnisse (Zungengrund, Gaumen, Rachen)
- Analyse der Kieferstellung und Bisslage
- Auswertung der Polysomnographie-Ergebnisse vom Schlaflabor
- Enge Abstimmung mit HNO-Ärzten, Pneumologen und Schlafmedizinern
Die enge Zusammenarbeit mit dem Schlaflabor stellt sicher, dass die Schienentherapie den gewünschten Erfolg bringt.
Schnarchen oder Tagesmüdigkeit?
Lassen Sie sich beraten, ob eine Schienentherapie für Sie in Frage kommt. Wir prüfen Ihre Eignung und erklären die Möglichkeiten.
Unterkieferprotrusionsschiene (UPS)
Die Unterkieferprotrusionsschiene (auch Schnarchschiene genannt) ist das zentrale Behandlungsmittel bei leichter bis mittelschwerer Schlafapnoe. Sie hält den Unterkiefer während des Schlafs in einer leicht vorgeschobenen Position und verhindert so das Zurückfallen der Zunge und das Kollabieren der Atemwege.
Wie funktioniert die Schiene?
- Der Unterkiefer wird um wenige Millimeter nach vorne verlagert (Protrusion)
- Dadurch wird der Rachenraum erweitert und die Atemwege bleiben offen
- Schnarchen und Atemaussetzer werden deutlich reduziert
- Individuell nach digitalem Scan oder Abdruck gefertigt
- Einstellbare Schienen erlauben eine schrittweise Anpassung
- Regelmäßige Kontrollen zur Überprüfung von Wirksamkeit und Verträglichkeit
Die Erfolgsquote liegt bei leichter bis mittelschwerer Schlafapnoe bei ca. 70-80%.
Alternative zur CPAP-Therapie
Die CPAP-Maske (Continuous Positive Airway Pressure) gilt als Goldstandard bei schwerer Schlafapnoe. Doch etwa 30-50% der Patienten kommen mit dem Gerät nicht zurecht – sie empfinden die Maske als unangenehm, leiden unter Druckstellen, trockener Nase oder fühlen sich eingeengt.
Für wen ist die Schienentherapie geeignet?
- Bei leichter bis mittelschwerer Schlafapnoe (AHI 5-30) als Ersttherapie
- Bei schwerer Schlafapnoe, wenn CPAP nicht toleriert wird (nach ärztlicher Verordnung)
- Auf Reisen als handliche Alternative zur sperrigen CPAP-Ausrüstung
- Bei primärem Schnarchen ohne Atemaussetzer
- Voraussetzung: Ausreichend eigene Zähne und gesundes Kiefergelenk
Wichtig: Die Schienentherapie muss ärztlich verordnet und der Erfolg im Schlaflabor kontrolliert werden.
Risikofaktoren und Folgen
Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung ist wichtig, um schwerwiegende Folgeerkrankungen zu vermeiden. Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko für die Entwicklung einer Schlafapnoe.
Risikofaktoren:
- Übergewicht (BMI > 30) – erhöhtes Fettgewebe verengt die Atemwege
- Männliches Geschlecht und Alter über 50 Jahre
- Großer Halsumfang (> 43 cm bei Männern, > 38 cm bei Frauen)
- Anatomische Besonderheiten (enger Rachen, große Mandeln, zurückliegender Unterkiefer)
- Alkoholkonsum und Einnahme von Schlafmitteln (verstärken die Muskelerschlaffung)
Mögliche Folgeerkrankungen bei unbehandelter Schlafapnoe:
- Bluthochdruck (schwer einstellbar, vor allem nachts erhöht)
- Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern)
- Diabetes Typ 2 durch gestörten Stoffwechsel
- Depressionen und Angststörungen
- Erhöhtes Unfallrisiko durch Sekundenschlaf im Straßenverkehr und am Arbeitsplatz
Besonders empfohlen: Bei Verdacht auf Schlafapnoe sollten Sie zeitnah Ihren Hausarzt oder einen Schlafmediziner aufsuchen.